Capelife

Was beschäftigt die Südafrikaner? Welche Trends gibt es rund um das Kap der guten Hoffnung? Wie sieht das Alltagsleben der Menschen aus? Beobachtungen der Wahl-Kapstädterin Nicole Nelißen.

Haben Sie nicht auch schon einmal vergeblich* auf dem Green Market Square Ausschau* nach einem besonders beliebten Fotomotiv gehalten, nach Gregory da Silva alias dem weltberühmten Eiermann? In seinem zusammengewürfelten* afrikanischen Outfit, mit hunderten Eiern auf dem Kopf und seinem breiten Lachen gehörte er zu dem Platz wie der Tafelberg zu Kapstadt.

Jeder kannte ihn. Er tanzte durch die Straßen, neckte* die Passanten und war in jedem Reiseführer und Fernsehbeitrag über Kapstadt dabei. Zur Fußball-Weltmeisterschaft hüllte* er sich in die wildesten Vuvuzela-Outfits. Sein beliebtestes Utensil*: ein alter Telefonhörer, den er Touristen in die Hand drückte. “Phone Mandela – but not Malema”, lachte er dann ohrenbetäubend* laut.

Ebenso laut schallte* seine Stimme vor einiger Zeit in mein Telefon: “Klingelingeling, hier kommt der Eiermann”, grölte* mir jemand ins Ohr. Ich war perplex*. “The Eggman”, ja, der Eiermann aus Kapstadt, meldete sich nun aus Wernigerode und erzählte von seinem zweiten Leben.

Inzwischen nämlich läuft das Kapstädter Original mit seinem riesigen* Eierhut durch die Fußgängerzonen der Bundesrepublik. Das Leben erzählt die besten Geschichten. In diesem Fall ging es von Benin, seinem Geburtsland, über Kapstadt in den Harz.

Es ist die Geschichte eines Lebenskünstlers. Ursprünglich* war Gregory da Silva in seiner Heimat Computerfachmann, hatte dann aber die Geschäftsidee, hunderte Eier auf seinem Kopf zu balancieren und die Leute zu bespaßen*.

Zuletzt, es war im südafrikanischen Herbst 2011, hatte ich den weltberühmten Eiermann, von Liebeskummer geplagt und finanziell völlig abgebrannt, zufällig in einer Kapstädter Straße getroffen. Seine Freundin war durchgebrannt* – mit einem Polizisten und dem ganzen Geld, das er wochenlang während der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika verdient und gutgläubig* auf ihr Bankkonto eingezahlt hatte.

Es ist am Kap nichts Ungewöhnliches, dass einem Mitmenschen direkt ihr Herz ausschütten*. Der soziale Zusammenhalt ist hier sehr häufig enger. Manchmal auch mit gewissem Hintergedanken. Wenn etwa die Großmutter der Putzfrau im entfernten Simbabwe stirbt und Geld für die Beerdigung gebraucht wird. Oder wenn das Schulgeld nicht reicht. Ja, oft haben diese Geschichten mit Geld zu tun. Oder besser, mit fehlendem Geld.

Aber der Eiermann wäre nicht der Eiermann, wenn er nicht wieder von alleine auf die Füße fiele*. Außerdem war da Silva mit seinem meterhohen Eierhut gerade auf dem Weg nach Mailand. Mit 624 “realen” (was wohl so viel bedeutet wie frisch gelegten) Eiern auf dem Kopf verewigte* er sich dort im Guiness-Buch der Rekorde.

In Italien wurde er dann aber überfallen*. Die Siegesprämie war weg. Aber da der Eiermann eine große und illustre Fangemeinde hat, griffen ihm deutsche Freunde unter die Arme, übernahmen die Krankenhausrechnung und schenkten ihm ein Flugticket nach Hamburg.

Und hier begann sein zweites Leben. Die Eier, die er in seiner Heimat Benin als Glücksbringer gelten, öffneten ihm wieder einmal sämtliche Türen. Nun mischt er mit seinem kiloschweren Eierhut bei Afrikafestivals landauf und landabwärts mit, vom Afrikafestival in Bayreuth bis zum Karneval der Kulturen in Wernigerode.

Irgendwann hat er dabei wohl auch seine neue Freundin kennengelernt und irgendein Ei sprang* dann offensichtlich über, denn seit einem Jahr, so postet er auf seiner Webseite, ist er Vater. Happy End in Halle an der Saale, denn der exotische Eiermann aus Kapstadt lebt heute in Sachsen-Anhalt.

Source: Süd-Africa Magazin

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Glossar:

vergeblich: erfolglos; Ausschau halten: suchen; zusammengewürfelt: bunt; necken: to tease; sich hüllen: anziehen ; das Utensil: Requisit; ohrenbetäubend: sehr; schallen: klingen; perplex: überrascht; gröllen; to roar; riesig: sehr groß; ursprünglich: am Anfang; bespaßen: amüsieren; durchbrennen: weggehen (sie ist mit einem Polizisten durchgebrannt); gutgläubig: naiv; das eigene Herz ausschütten: alles ehrlich erzählen; auf die Füße fallen: sich zu helfen wissen; verewigen: unvergesslich machen ; überfallen: to rob (er wurde überfallen); überspringen: springen

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